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Hundert spannende Firmen – und eine gemeinsame Sorge

Auf dem Bild zu sehen ist die Buchvernissage von "100 spannendste Schweizer Unternehmen". Auf dem Podium sitzen Peter Röthlisberger, Saskia von Moos, Karim Twerenbold und Enrico Uffer.Sie diskutierten gemeinsam auf dem Podium im Konferenzsaal des On-Hochauses (v. l.): Peter Röthlisberger, Saskia von Moos, Enrico Uffer und Karim Twerenbold. Bild: Nathalie Taiana für Chefredaktion GmbH

Der Konferenzsaal im On-Hochhaus in Zürich knisterte vor viel Ideenreichtum. Versammelt waren gut 150 Firmenvertreterinnen und -vertreter, die im Buch „Die hundert spannendsten Schweizer Unternehmen“ porträtiert sind. Bei der Podiumsdiskussion war man sich einig: Das politische Verständnis für Firmen nimmt ab.

Es gibt die Liste der hundert grössten Schweizer Firmen, nach Umsatz, nach Anzahl Mitarbeitenden und nach dem Bekanntheitsgrad. Einen neuen Ansatz hat der ehemalige „Blick“-Chefredaktor Peter Röthlisberger gewählt. Er hat eben einen 500-Seiten-Wälzer herausgegeben. Das Buch mit vielen Farbfotos und kurzweiliger Gestaltung nennt sich „Die hundert spannendsten Schweizer Unternehmen“. Der Clou bei der Sache: Es ist keine Rangliste, sondern ein Panoptikum der Wirtschaft unseres Landes mit seinen Traditionshäusern, die sich neu erfinden. Es kommen aber auch Weltmarktführer vor, die ihre Position verteidigen. Start-ups mit globalen Ambitionen. Und Familienbetriebe, die seit Generationen zeigen, was Beständigkeit bedeutet.

Vergangene Woche fand dazu ein Treffen mit gut 150 Firmenvertreterinnen und -vertretern statt. Ihre Gemeinsamkeit: Ihre Firma war auch Teil des Buches, das eben mit einer Startauflage von 5000 Exemplaren auf den Markt gekommen ist.


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Peter Röhtlisberger wählte für die kurze, prägnante Podiumsdiskussion im futuristisch wirkenden Konferenzsaal des On-Hauptsitzes in Zürich-West vier Personen aus, die typisch sind für den illustren Querschnitt im Buch.

Saskia von Moos ist die Mitbegründerin des Kultgetränks El Tony. El Tony, das ist ein kohlensäurehaltiger Muntermacher der Zuger Getränkefirma Intelligentfood. Das Erfolgsrezept des trendigen Mate-Getränks? Es hat keine Süss- und Zusatzstoffe wie etwa das berühmte Red-Bull-Dosenprodukt. Nun expandiert die Firma ins Ausland, wie die 37-Jährige erzählt. „Aber mit eigenem Vertriebsnetz, so bleiben wir authentisch.“

Auf dem Bild zu sehen ist eines der schön gestalteten Kapitel im Buch "Die 100 spannendsten Unternehmen der Schweiz", es ist die Firma Everllence, ehemals MAN, ehemals Escher-Wyss AG.500 Seiten spannende Geschichten: Ein Beispiel ist das schön gestaltete Kapitel über die Stadtzürcher Firma Everllence, früher MAN, ehemals Escher Wyss AG. Bild: Lorenz Steinmann

Karim Twerenbold trägt einen berühmten Nachnamen und tatsächlich führt der 40-Jährige das gleichnamige Unternehmen in vierter Generation. Zur Twerenbold Reisen Gruppe gehören nebst den Busreisen auch Flusskreuzfahrt-Spezialist Reisebüro Mittelthurgau, Vögele Reisen und Wander-Spezialist Imbach. Twerenbold erklärt, man habe Mut bewiesen, indem man mit Flusskreuzfahrten die Firma diversifiziert habe und so ein neues, hochrentables Standbein geschaffen habe.

„Ich merke aber, dass uns Unternehmer die Politik immer weniger beachtet.“ Internationale Firmen agierten oft ohne Rücksicht. In der Politik werde das so wahrgenommen, als hätten auch kleinere und mittlere Unternehmen kein Interesse an der Politik. „Dabei sind wir Teil der Gesellschaft und auf gute Rahmenbedingungen angewiesen“, so der Badener Firmeninhaber.

Import trotz hiesigem Überschuss

Enrico Uffer, der leicht knorrig wirkende Bündner Verwaltungsratspräsident der im Holzbau tätigen Uffergruppe, war ähnlicher Meinung. Er, der laut eigenen Angaben wirklich kein Grüner sei, machte aus der Not eine Tugend. Denn nach wie vor stammen drei Viertel des in der Schweiz verbauten Holzes aus dem Import. Das Paradoxe ist, dass der eigene Schweizer Holzvorrat stetig zunimmt. Uffer sprang mit seiner Firma in die Bresche und bietet Schweizer Holzlösungen an, die auch dem Klimaschutz dienen. Er musste und muss dabei viele bürokratische Hürden überwinden. Auch ihm fehlt oft das Verständnis der Politik für die Anliegen der KMU.

Auf dem Foto zu sehen ist FDP-Kantonsrat Andreas Juchli, zusammen mit seiner Deutschen Dogge, einem riesengrossen Hund.Er schafft den Spagat zwischen Unternehmer und Politiker: Andreas Juchli (FDP) aus Pfäffikon. Steht ihm oft zur Seite: die deutsche Dogge "Cuma". Bild: Lorenz Steinmann

Politikerinnen und Politiker hat es im Buch typischerweise praktisch keine. Es ist das bekannte Problem. Wer eine Firma gründet oder ein Familienunternehmen leitet, hat oft schlichtweg keine Zeit für die Politik. Eine Ausnahme ist Andreas Juchli. Der Arzt und FDP-Kantonsrat ist Gründer und Inhaber der Firma JDMT in Pfäffikon ZH. Seine Firma hat gut 300 Mitarbeitende, meist in Teilzeit. „Für mittlere und grosse Unternehmen sind wir ein wichtiger Dienstleister in den Bereichen Prävention und Bewältigung von Ereignissen. Das, was Firmen nicht beherrschen. Evakuationen, Chemie-, Bio-, Nuklear- und Umweltereignisse“, erklärt Juchli.

Einen Namen gemacht hat sich seine Firma während der Covid-Pandemie, als man die Impfungen für mehrere Kantone managte. Sein Engagement im Kantonalzürcher Parlament sieht der 48-jährige Juchli als Ausgleich zum Beruf, weil man thematisch anders berührt werde: „Es sind lässige Leute. Politische Vorstösse als Kantonsrat mache ich zwar nicht so viele. Ich habe aber politischen Einfluss in der Fraktion und in der Kommissionsarbeit Bildung und Gesundheit.“ Da könne er etwa bei den Themen Spitäler und Uni „die Zähne zeigen“. Künftig würde ihn als FDP-Mitglied das Amt als Nationalrat reizen. Logisch ist Juchli das Thema „Milizwesen“ eine Herzensangelegenheit. Man nehme eine Rolle wahr, die nicht primär durch einen hohen Lohn definiert sei.

Der Lohn ist etwas, was wohl bei den meisten Teilnehmenden an der Buchvernissage nie zuoberst auf der Agenda stand. Denn Firmengründungen und Expansionen brauchen viel Mut, Durchhaltewillen und man muss auch mal untendurch. Da waren sich die Podiumsteilnehmenden einig. Und auch Mut war ein Stichwort, das Karim Twerenbold in seinem Schlusswort aufnahm. Denn nur damit könne die Schweiz den internationalen Anschluss bei Spitzenleistungen halten.

Das Buch von Peter Röthisberger ist ein gelungener Querschnitt über den schweizerischen Unternehmergeist. Aber auch Ansporn, sich stets weiterzuentwickeln. Es ist mit gut 50 Franken übrigens überaus günstig.

Themenbezogene Interessensbindung: Lorenz Steinmann hat als Autor drei der 100 Kapitel im besprochenen Buch „Die hundert spannendsten Schweizer Unternehmen“ beigesteuert.

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