Entlang der Durchfahrtstrasse zwischen Hedingen und Affoltern am Albis waren einst Bäume geplant. Gepflanzt wurden sie aber nicht. Zwei Kantonsräte wollen nun vom Regierungsrat wissen, warum das so ist.
Thomas Schweizer lebt in Hedingen und fährt zwei- bis dreimal pro Woche nach Affoltern am Albis. Der Hauptort des gleichnamigen Bezirks bietet nicht nur gute Einkaufsmöglichkeiten, sondern auch kulturell einiges. Doch jedes Mal, wenn sich der Kantonsrat aufs Velo schwingt und der Hauptstrasse entlang in den Nachbarort pedalt, ärgert er sich ein wenig. „Hier sollten eigentlich Bäume stehen, sie wurden aber nie gepflanzt“, sagt er gegenüber Rathuus.
Nach der Eröffnung des A4-Teilstücks durchs Knonaueramt im Jahr 2009 wurden die Ortsdurchfahrten in Hedingen und Affoltern am Albis saniert. Nicht nur die Strasse wollte man dabei erneuern, gemäss Auflageplan war entlang der Affolternstrasse zwischen den zwei Gemeinden eine Baumreihe und abschnittsweise eine Allee vorgesehen. Eigentlich, weil die Grünstreifen nun zwar da sind – aber die Bäume fehlen. Ein Blick in den Auflageplan vom Projekt an der Affolternstrasse zeigt, dass alle paar Meter grüne Kreise eingezeichnet waren, die die Bäume symbolisieren sollten.
Anfrage eingereicht
Die fehlenden Bäume haben den Grünen-Politiker Schweizer zusammen mit seinem EVP-Kollegen Daniel Sommer dazu bewogen, eine Anfrage im Kantonsrat einzureichen. „Eine Baumreihe/Allee in diesem Bereich würde die Attraktivität des Strassenraumes erhöhen, wäre für das Siedlungs- und Landschaftsbild vorteilhaft, würde die Verbindung für den Fuss- und Veloverkehr aufwerten und wäre auch ein Beitrag zur Hitzeminderung“, schreiben die Kantonsräte.
Sie wollen nun vom Regierungsrat wissen, ob er bereit ist, diese gemäss Auflageplan vorgesehenen Bäume nachträglich zu pflanzen und welche Bedeutung Auflagepläne hinsichtlich Baumpflanzungen grundsätzlich haben. Ausserdem fragen sich die Politiker, in welcher Weise eine in den Auflageplänen zwar vorgesehene, jedoch dann nicht erfolgte Pflanzung von Bäumen nachträglich eingefordert werden kann – und ob es andere Strassenabschnitte im Kanton Zürich gibt, wo Baumpflanzungen zwar geplant, aber dann nicht ausgeführt worden sind.
Thomas Schweizer ist neben seinem Amt als Kantonsrat Mitglied der Energiekommission von Hedingen. Er sagt, dass auch seine Wohngemeinde das Pflanzen von Bäumen an der Affolternstrasse befürworten würde.
Der Schnee hüllt die Landschaft in sein weisses Kleid: Entlang der Affolternstrasse waren einst Bäume geplant. Bild: Pascal TurinKanton will Baumbestand erheben
Der Kanton selbst kann nicht angeben, wie viele Bäume er 2024 entlang von Strassen gepflanzt und wie viel Geld er dafür ausgegeben hat. Dies zeigt eine Anfrage bei der dafür zuständigen Baudirektion. „Diese Zahlen werden nicht erfasst“, heisst es von der Medienstelle. Das kantonale Tiefbauamt sei aber an der Erhebung des Baumbestandes entlang der Staatsstrassen.
Grundsätzlich ist es so, dass der Kanton der Beschattung der Fahrbahn mit Bäumen im Siedlungsgebiet verstärkt Rechnung trägt – auf Strassen, bei denen das Tempo geringer ist als ausserorts. Ausserorts, also auf Strecken, auf denen mit 80 Kilometer pro Stunde gefahren werden kann, werden neue Bäume nur dort gepflanzt, wo es die Verkehrssicherheit zulässt. Ein Beispiel laut Auskunft von Mediensprecher Thomas Maag: Ende 2023 wurden an der Ottenbacherstrasse in Obfelden 29 neue Bäume gepflanzt.
Pilotprojekt an der Ueberlandstrasse geplant
Aktuell sind vom Kanton keine Projekte für Alleebäume geplant, die 2025 umgesetzt werden sollen. An der Ueberlandstrasse zwischen Dübendorf und dem Dübendorfer Weiler Gfenn ist zwar in den nächsten Jahren die Pflanzung einer Allee mit circa 23 Bäumen vorgesehen, allerdings ist die Hälfte davon Ersatz für die bestehende einseitige Baumreihe. Ein Pilotprojekt zur Beschattung des Strassenraums innerorts sei ausserdem an der Affolternstrasse in Regensdorf in Planung. „Bei zahlreichen weiteren Projekten sind im Innerortsbereich im Sinne von hitzemindernden Massnahmen Baumpflanzungen vorgesehen. Für ganze Alleen fehlt hier jedoch meist der Platz“, so Thomas Maag, stellvertretender Leiter Kommunikation der Baudirektion.
Thomas Schweizer hat mittlerweile bereits nachgedoppelt und zusätzlich zur Anfrage ein Postulat eingereicht. Dieses wurde von Vertreterinnen und Vertretern der AL, der SP, der GLP, der Mitte sowie der EVP mitunterzeichnet. Mit dem Postulat wollen die Kantonsrätinnen und Kantonsräte den Regierungsrat beauftragen, ein Konzept „Baumpflanzungen entlang Kantonsstrassen“ zu erarbeiten. Die Zahl der Bäume auf kantonseigenen Flächen soll substanziell erhöht werden – sowohl innerorts wie ausserorts.
Die Chancen für das Anliegen der Postulenten stehen nicht schlecht. Dem Vernehmen nach waren früher Bäume entlang von Kantonsstrassen für den Kanton eher „nice to have“. Das soll sich aber unter dem Baudirektor Martin Neukom (Grüne) geändert haben.

Der Kantonsrat Thomas Schweizer (Grüne) will vom Regierungsrat wissen, weshalb an der Affolternstrasse in Hedingen keine Bäume gepflanzt wurden. Bild: Pascal Turin
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