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Etappensieg für Stadion-Planer

Auf dem Bild zu sehen die Hardturm-Brache, wie ein neues Stadion und zwei Hochhäuser gebaut werden sollen.Hier auf der seit 2008 leeren Hardturmbrache im Stadtzürcher Kreis 5 sollen dereinst ein Fussballstadion und Wohnbauten gebaut werden. Archivbild: Lorenz Steinmann

Die Stadt Zürich wartet seit dem Abbruch des Hardturm-Stadions im Jahr 2008 auf ein neues Fussballstadion. Jetzt urteilte das Zürcher Verwaltungsgericht zugunsten des Projekts „Ensemble“. Rathuus blickt zurück auf die Stadionprojekte im Kreis 5.

Die Stadionpromotoren um die beiden Fussballklubs FC Zürich und GC Zürich, die Baufirma HRS, die Allgemeine Baugenossenschaft Zürich (ABZ), die Stadionzüri AG und die Vorsorgestiftungen der UBS können aufatmen. Zumindest vorerst. Sie haben einen Etappensieg errungen beim Ziel, die Hardturmbrache zu überbauen. Denn das Zürcher Verwaltungsgericht wies die Beschwerde gegen den privaten Gestaltungsplan vollumfänglich ab, wie das Projektteam heute Nachmittag mitteilte. Es stützte damit den vor rund zwei Jahren gefällten Entscheid des Baurekursgerichts in der Sache. Der Entscheid des Verwaltungsgerichts ist noch nicht rechtskräftig.

Das Projekt beinhaltet den Bau eines neuen Fussballstadions zusammen mit hunderten von Wohnungen und mehreren Gewerbegebäuden auf dem Hardturm-Areal in der Stadt Zürich. Die Beschwerdeführer können den Gestaltungsplan noch vor Bundesgericht ziehen – die Frist läuft bis Anfang November.

Wie es sich für ein in die Tiefe gehendes Politmagazin gehört, haben wir für alle Interessierten die Fakten rund um die dornenreiche Geschichte des (ehemaligen) Hardturm-Stadions und der diversen Projekte zusammengetragen. Fussball olé!


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Unbestreitbar ist, dass Zürich seit 2008 kein reines Fussballstadion mehr hat. Der Letzigrund mit seiner Leichtathletikbahn rund ums Fussballfeld ist seither Heimstadion des FCZ wie auch von GC. Abgebrochen wurde das traditionsreiche Fussballstadion schon im Dezember 2008. Dabei wäre der Hardturm eigentlich als EM-Stadion für die EM 2008 vorgesehen gewesen. Wegen Einsprachen klappte die Realisierung aber nicht. 

Der Letzigrund als EM-Alternative

Wegen der Verzögerungen aus juristischen Gründen beim Neubau des Hardturms wurde der Letzigrund mit Baujahr 1925 und grosser Erweiterung 1958 im Jahre 2005 abgebrochen und von Grund auf neu gebaut. An der Volksabstimmung vom 5. Juni 2005 wurden der Baukredit über 110 Millionen Franken und der Fussball-Europameisterschafts-Kredit über 11,3 Millionen Franken klar angenommen. Am 30. August 2007 erfolgte die offizielle Einweihung des Neubaus. Und dann gab es einen durchaus glanzvollen Auftritt an der EM 2008.

Es gab auch schon ein Nein an der Urne

Doch zurück zum Hardturm. Bis heute hat das Stimmvolk viermal über ein neues Stadionprojekt abgestimmt. Dreimal sagte es Ja, einmal Nein. In Erinnerung sind natürlich die beiden Ja der Stadtzürcher Stimmbevölkerung 2018 und 2020, als man sich für das „Ensemble“-Projekt ausgesprochen hatte.

2003 gab die Stadion-Betreiberin Stadion Zürich AG, eine Tochtergesellschaft der Credit Suisse, bekannt, dass sie ihr Stadion im Hardturm durch das aus dem durchgeführten Wettbewerb hervorgegangene Projekt ersetzen wolle. Dieses sah für den Neubau mit 30’700 Sitzplätzen eine Mantelnutzung vor, die eine Shopping-Mall mit Gastronomie, ein Konferenzhotel, einen Bereich mit Fitness- und Gesundheitsangeboten sowie ein Bürohochhaus umfassen würde. Der städtische Kredit von 48 Millionen Franken für die Beteiligung an der Stadion Zürich AG wurde in einer ersten städtischen Volksabstimmung im September 2003 gutgeheissen. Wegen Rekursen, der Bankenkrise und weil eine Shopping-Mall wohl nicht rentiert hätte, zog die CS das Projekt 2009 zurück. 

Dann kaufte die Stadt unter der Federführung des damaligen Stadtrats Martin Vollenwyder (FDP) 2010 von der Credit Suisse das ganze Grundstück ab. Ebenfalls 2010 wurde das neue Projekt vorgestellt: ein reines Fussballstadion mit 16’000 Plätzen, einem Restaurant, einer Bar und 14 Logen, plus 160 Wohnungen. In einer am 22. September 2013 durchgeführten zweiten Volksabstimmung fand das Wohnprojekt zwar eine Mehrheit, das Stadion hingegen wurde von den Stimmbürgerinnen und -bürgern knapp abgelehnt. Eine Schlappe für den Stadtrat, aber auch für den FCZ und für GC.

So schön könnte die Fassade des geplanten Hardturm-Stadions während eines Zürcher Derbys leuchten. Visualisierung: Nightnurse Images

Höher als der Prime Tower

Dann folgte ein neues Vorhaben, das heute noch gültige „Ensemble“-Projekt. Am 25. November 2018 bewilligte das Stimmvolk in der dritten Abstimmung zum Thema Baurechte und Kredite über 50 Millionen Franken. Der Plan sieht nebst 174 gemeinnützigen Wohnungen und zwei Hochhäusern mit 570 Wohnungen auf dem Gelände auch den Bau eines reinen Fussballstadions mit Platz für 18’000 Fans für die Grasshoppers und den FCZ vor. Zudem sollen auf dem Gelände eine Wohnsiedlung und zwei Hochhäuser (je 137 Meter hoch, der Prime Tower ist demgegenüber 126 Meter hoch) mit Wohnungen und Geschäftsräumen entstehen. Umgesetzt werden soll die Arealbebauung, wie eingangs erwähnt, von der HRS Real Estate AG, den Anlagestiftungen der UBS (ehemals Credit Suisse) und der ABZ.

Nachdem die erforderliche Menge an Unterschriften für ein Referendum zusammengekommen war, kam es am 27. September 2020 zu einer erneuten und vierten Abstimmung über den Gestaltungsplan für das Areal, in der das Projekt von den Stimmbürgern abermals bestätigt wurde. Und jetzt folgte also das OK des Verwaltungsgerichts. Die Rekursfrist läuft bis Anfang November. Ein Weiterzug bis vor Bundesgericht ist möglich.

Das sind die Gegner

Anschliessend könnte auch gegen das Baugesuch in sämtlichen drei Instanzen rekurriert werden – allerdings nur noch in beschränkter Form. Baubeginn vor 2030 scheint dennoch illusorisch. Gesamthaft gesehen ist der Verkehrsclub der Schweiz, Sektion Zürich, der grosse Widersacher. Er hat das erste Projekt von 2003 zu Fall gebracht. In jüngerer Zeit sind es neben den links-grünen „IG Freiräume“ und „IG am Wasser“ der Promi Felix E. Müller (ehemals Chefredaktor der „NZZ am Sonntag“) und der Unternehmer Urs Zweifel von Zweifel Weine, die Kritik üben.

Offen ist, ob und wie Eigenheimbesitzer der Bernoullihäuser und Stockwerkseigentümer der östlich des Geländes gelegenen Überbauung am Sportweg beim Widerstand mitwirken. In der Öffentlichkeit ist die Zustimmung eher sinkend, wegen der immer wiederkehrenden Ausschreitungen der Fussballfans. Ein Argument ist wegen der 2000-Watt-Gesellschaft auch, ob es ein neues Stadion tatsächlich braucht, wenn es doch das Letzigrund-Stadion bereits gibt (Stichwort: graue Energie).

Nur eines ist sicher: Der Ball ist rund und ein Spiel dauert 90 Minuten.

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