Ab 2026 wird die Rathausbrücke saniert. Die Bauerei wird so laut, dass der Kanton Zürich der Stadt ab nächstem Jahr den Mietzins fürs historische Rathaus erlässt. Bis dahin zahlt die Stadt weiter doppelt – fürs Rathaus und das Provisorium im Kreis 4.
Weil das historische Rathaus am Limmatquai grundsätzlich nutzbar wäre, muss die Stadt Zürich dem Kanton dafür aktuell die jährliche Miete von 240’000 Franken entrichten. Dazu kommt für die Nutzung des temporären Rathauses Hard im Kreis 4 ein jährlicher Nettomietzins von ebenfalls gut einer Viertelmillion Franken. Weiter muss die Stadt jedes Jahr einen Investitionsanteil von gegen 700’000 Franken an den Kanton überweisen. Dies ist einem Stadtratsbeschluss zu entnehmen, der am 2. Juli online aufgeschaltet wurde.
Diese doppelten Mietausgaben sollen allerdings vorerst nur bis Anfang 2026 gelten. „Während der Instandsetzungszeit des Rathauses und der Rathausbrücke kann das Rathaus insbesondere aufgrund der Lärmemissionen nicht genutzt werden. In dieser Zeit stellt das Provisorium Hard ein Realersatz für das Rathaus dar, weshalb die Stadt dem Kanton ab diesem Zeitpunkt nur den Netto-Mietzins von 199’000 Franken für das Rathaus, nicht aber für das Provisorium Hard schuldet“, heisst es in bestem Amtsdeutsch.
Konkret ist geplant, dass die Rathausbrücke ab 2026 wegen des Hochwasserschutzes neu gebaut wird. Als Erstes starten die Arbeiten für die Absenkung der Flusssohle. Sprich: Die Limmat wird ausgebaggert. Dann folgen bis 2029 die Bauarbeiten für eine neue Brücke über die Limmat. Für die Bauzeit gibt es eine Hilfsbrücke zwischen Weinplatz und Limmatquai.
Sanierungsbeginn frühestens 2030
Auch wenn das noch niemand offiziell bestätigen will, können die geplanten Renovationsarbeiten des historischen Rathauses erst starten, wenn die neue Limmatbrücke fertig ist. Vorher fehlt der Platz für die Installationsbauten.
Sprich, vor 2030 passiert gar nichts. Das ist darum gar nicht so einschneidend, weil die Planungsarbeiten immer noch blockiert sind. Grund: Es ist nach wie vor ein notwendig gewordenes Schutzgutachten hängig und es stehen Bedenken der kantonalen und eidgenössischen Denkmalpflegekommissionen im Raum.
Dabei wächst die Kritik an den kantonalen Plänen immer mehr. Gegenüber Rathuus sagte SP-Kantonsrat Andrew Katumba vor einigen Wochen, das Megaprojekt zum Umbau des historischen Rathauses komme wegen der Denkmalschutzvorgaben und der Sicherheitsbedenken nie. Mit Sicherheitsbedenken meint er einen notwendigen Fluchttunnel zum Polizeiposten der Kantonspolizei Zürich nebenan. „Es hat zu viele juristische Angriffspunkte und die Kosten von bis zu 33 Millionen Franken sind viel zu hoch“, ist Katumba überzeugt.
Was soll denn mit dem historischen Rathaus passieren? Laut Katumba wäre dieser Ort als kantonales Eventlokal ideal. Es würde die bestehenden Lokalitäten ideal ergänzen. „Das historische Rathaus soll ein Haus der Demokratie werden“, so der SP-Politiker, der per 14. Juli aus dem Kantonsrat zurücktritt.
2010 gab es eine Mietpreis-Erhöhung um rund 600 Prozent
Andere Politiker, vor allem aus dem bürgerlichen Lager, trauern der historischen Stätte aber nach und sehnen sich nach einer baldigen Rückkehr. Vor einem Jahr haben die FDP-Gemeinderatsmitglieder Martina Zürcher, Michael Schmid und Flurin Capaul den Stadtrat sogar gefragt, ob nicht der Kauf des Rathauses vom Kanton oder zumindest die Projektleitung des Rathausumbaus durch die Stadt anstatt durch den Kanton möglich wäre. Die Antwort lautete damals aber nein.
Besonders erwähnenswert aus der Stadtratsantwort ist, dass die Stadt das Rathaus seit der ersten Eingemeindung von 1893 nutzt. Bis 2010 entrichtete sie im Rahmen eines Gebrauchsleihevertrags aber lediglich einen Beitrag an die Reinigungs-/Hauswartungskosten, an die Heizung und an das Warmwasser – 2010 waren das knapp 40’000 Franken. Seither muss die Stadt dem Kanton bedeutend mehr zahlen, da „die Unterhalts- und Betriebskosten des Kantons damit nicht gedeckt waren“. Konkret zahlt die Stadt heute gut 600 Prozent des ursprünglichen Betrags – brutto etwa 240’000 Franken jährlich.
Doch zurück zum Zeithorizont. Auch wenn alles nach Plan laufen würde und die neue Brücke 2029 fertig wäre, ginge es immer noch bis 2033, bis die Umbauarbeiten am historischen Rathaus beendet wären. Somit könnten Gemeinde- und Kantonsrat frühestens in acht Jahren wieder am angestammten Ort am Limmatquai tagen.
In der Zwischenzeit finden Gesamterneuerungswahlen sowohl in der Stadt Zürich (2026) als auch beim Kanton (2027) statt. Ob und welche Auswirkungen die Wahlergebnisse auf die Bauplanung haben werden, ist offen. Sicher ist, dass die Erinnerungen ans historische Rathaus bei den Parlamentarierinnen und Parlamentariern immer mehr verblassen werden.

Die Stadt zahlt Miete fürs historische Rathaus, obwohl sie es gar nicht nutzen kann. Bild: Baugeschichtliches Archiv, Juliet Haller
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