Der Wettbewerb Cinécivic soll die politische Teilhabe von Kindern und Jugendlichen auf kreative Art und Weise fördern: Kürzlich haben SP-Regierungsrätin Jacqueline Fehr, Mitte-Regierungsrätin Silvia Steiner und SVP-Kantonsratspräsidentin Romaine Rogenmoser die besten Beiträge ausgezeichnet.
Land auf, Land ab hält sich das Vorurteil hartnäckig, dass junge Menschen sich nicht für Politik interessieren würden. Allerdings stimmt das nicht, wie das Forschungsinstitut GFS Bern in einer Studie im Auftrag des Dachverbands Schweizer Jugendparlamente aufgezeigt hat. Gemäss dem Schweizer Jugend- und Demokratiemonitor war das politische Interesse der Jugendlichen 2025 so hoch wie seit 2014 nicht mehr. Befragt worden sind rund 2000 junge Menschen im Alter von 15 bis 25 Jahren.
Gemäss der Studie interessiert die Jugend insbesondere Themen wie Kriminalität (41 Prozent), psychische Gesundheit (35 Prozent) und Diskriminierung (35 Prozent) am meisten. „Frauen beschäftigen sich häufiger mit sozialen und psychosozialen Fragen, während Männer vermehrt sicherheits- und technologiepolitische Themen verfolgen“, heisst es in der Studie.
Jugendliche empfinden Politik als zu komplex
Wenig überraschend zählen vor allem die Social-Media-Plattformen Instagram und Tiktok als wichtigste politische Informationsquellen – neben der Familie sowie dem Schulunterricht.
Hellhörig müssen Medien sowie Politikerinnen und Politiker ob der Tatsache werden, dass Jugendliche Politik als zu komplex empfinden. Viele junge Schweizerinnen und Schweizer beteiligen sich deshalb nicht an Abstimmungen. Wesentliche Hürden sind laut Befragung das Gefühl, die Sprache der Politikerinnen und Politiker nicht ausreichend zu verstehen (51 Prozent), Zeitmangel (41 Prozent) und geringes politisches Interesse (39 Prozent).
Trotzdem ist es erfreulich, dass Politik die Jugend nicht kalt lässt. Das haben wir übrigens bereits vergangenes Jahr mit einem Artikel aufgezeigt. Damals hat Rathuus ein Podium an der Kantonsschule Küsnacht besucht. Die Gymnasiastinnen und Gymnasiasten diskutierten rege mit – und stellten Vertreterinnen und Vertreter der Grünen, der Jungen GLP, der Mitte sowie der SVP durchaus kritische Fragen.
Schulklassen engagieren sich für politische Teilhabe
Auch die 21 Wettbewerbsbeiträge, die im Kanton Zürich im Rahmen der Aktion Cinécivic eingereicht worden sind, darf man als positives Zeichen werten. Die Direktion der Justiz und des Innern hat 2025 zusammen mit der Bildungsdirektion und dem Kantonsrat diesen Jugendpolitikwettbewerb lanciert. Das Projekt Cinécivic gibt es schon länger in den Kantonen Genf, Wallis, Waadt und Bern.
Kürzlich haben Regierungsrätin Jacqueline Fehr (SP), Regierungsrätin Silvia Steiner (Die Mitte) und Kantonsratspräsidentin Romaine Rogenmoser (SVP) drei Siegerprojekte im Rathaus am Limmatquai ausgezeichnet. Mitmachen durften Kinder und Jugendliche ab der 4. Klasse bis und mit Gymnasium oder Berufsschule. „Sechs Beiträge wurden von Klassen der 4. bis 6. Primarschule eingereicht, elf von Klassen der 7. bis 9. und vier von Schülerinnen und Schülern der Berufsschulen/Mittelschulen“, heisst es in einer Mitteilung des Kantons.
Die Jury durfte aus zehn Plakaten, neun Filmen und zwei Aktionen auswählen. Mit 1500 Franken für die Klassenkasse wurde der Film „Knacks – und dänn?“ prämiert. Laut der Presseaussendung erzählt er rasant, unterhaltsam und klug vom grossen Unterschied, den selbst eine einzige Stimme in der Demokratie machen kann. 1000 Franken gab es in der Kategorie Plakat für das Poster „Go Vote“. Die wichtige Botschaft: „Die Vergangenheit lässt sich nicht mehr ändern – die Zukunft aber schon. Und genau deshalb soll man wählen gehen.“
Ebenfalls 1000 Franken für die Klassenkasse erhielt in der Kategorie Aktion das Projekt „Demokratie im Kindergarten“. Wie der Mitteilung zu entnehmen ist, überzeugte es durch „seinen herausragenden Ansatz, das abstrakte Konzept der Demokratie für Kinder im Kindergartenalter erlebbar zu machen“.
Politikwettbewerb Cinécivic mit Preis ausgezeichnet
Die Stiftung für eidgenössische Zusammenarbeit (CH Stiftung) hat den Wettbewerb Cinécivic mit dem diesjährigen Föderalismuspreis gewürdigt. „Der Jury gefiel besonders der partizipative und kreative Ansatz des Projekts“, schreibt die CH Stiftung in einem Communiqué. „Die Produktionen zeichnen sich durch ihre Innovationskraft, ihre Kreativität und ihren selbstironischen Humor aus und verbreiten sich so besonders gut über die sozialen Medien“, lässt sich die Neuenburger Staatsrätin Florence Nater (SP) in der Mitteilung zitieren. Das Projekt Cinécivic weise ein bemerkenswertes Potenzial auf, um das Interesse junger Menschen an der Politik zu wecken und ihre Beteiligung an der Demokratie zu erhöhen. Nater ist Präsidentin der CH Stiftung.
Das alte Stammtisch-Vorurteil, dass junge Menschen sich nicht für Politik interessieren würden, hält sich hartnäckig. Die Studie des GFS Bern und die Zürcher Cinécivic-Beiträge zeigen jedoch: Das Interesse ist da.

Fürs Erinnerungsalbum (v. l.): Die Preisträgerinnen und Preisträger mit Kantonsratspräsidentin Romaine Rogenmoser (SVP), Regierungsrätin Silvia Steiner (Die Mitte) und Regierungsrätin Jacqueline Fehr (SP). Bild: Direktion der Justiz und des Innern
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