Die AL nennt sich künftig AL. Nein, das ist kein verspäteter Aprilscherz. Statt als Alternative Liste wird die Kleinpartei neu als Alternative Linke auftreten. Der Namenswechsel löst das Abgrenzungsproblem zu Rot-Grün trotzdem nicht. Ein Kommentar.
Nach den Wahlen im März in der Stadt Zürich war man bei der AL enttäuscht und gleichzeitig erleichtert: Stadtratskandidatin und Gemeinderätin Tanja Maag landete hinter FDP-Gemeinderat Përparim Avdili auf Platz 11. Aber im Gemeinderat blieb die AL mit acht Sitzen immerhin stabil. Die Partei konnte sogar mehr Wählerinnen und Wähler für sich mobilisieren. Die Anhängerinnen und Anhänger der Kleinpartei sind offenbar treue Seelen. Genützt hat es ausser zur Besitzstandswahrung wenig, denn das Gros der linken Wählerinnen und Wähler scheint sich aktuell eher zur SP hingezogen zu fühlen.
Wohl darum greift die AL nun zum grossen Besteck: Die Mitgliederversammlung hat beschlossen, dass aus der Alternativen Liste die Alternative Linke werden soll. So kann das etablierte Kürzel praktischerweise beibehalten werden. Mancher würde allerdings sagen: Hans wie Heiri. Oder potayto, potahto.
Ob man sich dabei von der schwer verortbaren deutschen Kleinpartei „Bündnis Sahra Wagenknecht“ inspirieren lassen hat? Diese wird mit BSW abgekürzt und will künftig „Bündnis Soziale Gerechtigkeit und Wirtschaftliche Vernunft“ heissen. Das BSW trennt sich damit vom Namen der Gründerin Sahra Wagenknecht, einst Aushängeschild der Partei Die Linke. Trotz Namenswechsel bleibt man der Abkürzung BSW treu.
Aber lassen wir das BSW und konzentrieren wir uns wieder auf die AL.
Die Alternative Liste war in den 90er-Jahren eine laute Protestpartei. Gegründet wurde sie 1989 als basisdemokratische Gruppe „Züri 1990“. Erst 2007 konstituierte sich die AL offiziell als politischer Verein. 2018 hatte sie dann mit zehn Gemeinderatssitzen und mit Richard Wolff als Stadtrat ihren vorläufigen Höhepunkt als Unruhestifterin im politischen Milieu.
Die AL findet, dass der neue Name auf den Punkt bringt, was sie heute ist. Nämlich keine lose, historisch gewachsene Wahlliste mehr, sondern eine Partei mit klarem Profil links der anderen Linken. „Alternative Linke – der Name benennt, was wir sind“, lässt sich AL-Kantonsrätin und Vorstandsmitglied Nicole Wyss in einem Communiqué zitieren.
Gut ist sicher, dass sich die AL stärker profilieren will. Für Wählerinnen und Wähler wurde es zunehmend schwierig, die Partei von der SP und den Grünen zu unterscheiden. Ein Vorwurf, den viele in der AL nicht gern hören. Man sei „radikal sozial“, was auch immer das heisst.
Manchmal gelingt es der AL zwar, Schlagzeilen zu machen – etwa mit dem Vorstoss zum weitgehenden Verbot von kommerzieller Werbung im öffentlichen Raum. Die allermeisten ausserhalb von Zürich oder Winterthur wissen aber vermutlich nicht einmal, wer oder was die AL genau ist. Und jene, die es wissen, rechnen die Partei dem linken Kuchen zu, der in den zwei grössten Städten des Kantons sowieso bei fast jeder Abstimmung Erfolg hat.
Das Problem war nie der Name. Was sich hinter dem Parteikürzel verbirgt, ist zweitrangig. Das Problem der AL ist, dass die einstige Protestpartei nicht mehr aneckt.
Linke Parteien gehören in der Stadt Zürich zum berühmt-berüchtigten Establishment. „Der AL droht die Unverwechselbarkeit abhandenzukommen“, schrieb die „Neue Zürcher Zeitung“ schon 2024. Die Tageszeitung hat zumindest in einem Punkt recht: Seit bekannte langjährige Exponenten wie Urgestein Niklaus Scherr oder Mieterverbands-Vertreter Walter Angst aus dem Stadtzürcher Gemeinderat ausgeschieden sind, ist es um die AL ruhiger geworden. Zum Glück für die AL ist jetzt Politik-Schlachtross Mischa Schiwow, Co-Präsident des Quartiervereins Hirslanden, zurück im Parlament.
Bei den Kantonsrats- und Regierungsratswahlen am 4. April 2027 will die Kleinpartei nun als Alternative Linke punkten. Ein neues Erscheinungsbild hat sie sich bereits gegeben. Es darf bezweifelt werden, dass die Pinselrenovation genügt. Im bürgerlichen Kantonsrat hat die AL jedoch wenigstens den Vorteil, dass sie die Minderheitenrolle pflegen kann. Ob an der Mitgliederversammlung auch über eine Kandidatur für den Regierungsrat diskutiert worden ist, geht aus der Medienmitteilung übrigens nicht hervor.

Die AL heisst neu Alternative Linke: "Das Problem war nie der Name. Was sich hinter dem Parteikürzel verbirgt, ist zweitrangig", schreibt Pascal Turin in seinem Kommentar. Bild: Screenshot, Bildmontage: Rathuus
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