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Bargeld als Zahlungsmittel und der umstrittene Tafelsilberverkauf

Auf dem Bild zu sehen sind Bargeld und zwei Bezahlkarten.Um das liebe Geld ging es in zwei Artikeln von Rathuus, deren Themen nun weiter für Furore sorgen. Bild: Lorenz Steinmann

Geld bewegt die Welt. Auch im Kanton Zürich. In den ersten elf Monaten des Rathuus-Bestehens waren zwei Artikel besonders nahe am Puls des Geschehens. Ein kommentierendes Update.

War das Bezahlen mit Bargeld an einer Kasse lange Zeit total normal, kehrte der Wind in den letzten Jahren. Vor allem in hippen Restaurants wird seither oft nur noch Kartengeld angenommen. Das spart Zeit für Abrechnungen, keine Frage. Doch die zu entrichtenden Gebühren sind nicht unerheblich.

Wie das Onlineportal Watson berichtete, wurde vergangenes Jahr eine Studie publik, die auch der Schweizerische Gewerbeverband mitfinanziert hat. Die versteckten Gebühren der Visa- und der Mastercard-Debitkarte an die Restaurants und Verkaufsläden betragen zwischen 0,3 und 2,5 Prozent. Bei der Postkarte sind es 0,1 bis 1,5 Prozent, bei Twint 0,4 bis 1,5 Prozent. Das kann ganz schön ins Geld gehen für die Restaurants und generell für die Firmen und Betriebe, die auf bargeldlosen Geldverkehr setzen.


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Die Kehrtwende des Kunsthauses

Besonders umstritten war der Entscheid des Kunsthauses Zürich, dass Bargeld nicht mehr als Zahlungsmittel akzeptiert werde. Man setze „im Sinne der Nachhaltigkeit, Nutzungsfreundlichkeit, Effizienz und Sicherheit neu auf bargeldloses Zahlen“, so das Kunsthaus. Dies nahmen die EDU-Kantonsräte Roger Cadonau aus Wetzikon, Hans Egli aus Steinmaur und Thomas Lamprecht aus Bassersdorf zum Anlass, eine kritische Anfrage zum Thema einzureichen, wie wir berichteten.

Die Stadtzürcher Gemeinderäte Stefan Urech und Yves Peier (beide SVP) sowie Sebastian Vogel (FDP) wiederum wollten politisch Tatsachen schaffen und reichten ein Postulat ein. „Der Stadtrat wird aufgefordert zu prüfen, wie die Kunsthausgesellschaft dazu bewegt werden kann, beim Eintritt ins Kunsthaus der Stadt Zürich wieder die Möglichkeit der Bezahlung mit Bargeld anzubieten“, heisst es im Vorstoss. 

„Die Rückkehr zur Bargeldzahlung erfolgt per 1. Januar 2026, da die technischen und organisatorischen Anpassungen an unseren Kassen-, Shop- und Gastronomiesystemen (z.B. Anpassungen der Versicherungen etc.) eine kurze Vorlaufzeit erfordern“.

Der Zugang zum Kunsthaus solle für alle möglichst unkompliziert bleiben, so das Museum nach seinem Salto rückwärts. Deshalb werde man in beiden Gebäuden wieder eine Kasse für Bargeldzahlung ausstatten. Auch in den Shops und in den Gastronomiebetrieben wird wieder Bargeldzahlung eingeführt. Doch erst auf den 1. Januar 2026.

Dass man dem Vernehmen nach Kassen herausgerissen habe und nun vieles neu aufbauen müsse, will das Kunsthaus nicht kommentieren. Medienchefin Priska Amstutz, bis Ende 2023 leitende Journalistin beim „Tages-Anzeiger“, schreibt: „Die Rückkehr zur Bargeldzahlung erfolgt per 1. Januar 2026, da die technischen und organisatorischen Anpassungen an unseren Kassen-, Shop- und Gastronomiesystemen (z. B. Anpassungen der Versicherungen etc.) eine kurze Vorlaufzeit erfordern.“

Wieviel die „Rückbesinnung“ kostet, will Amstutz trotz der vielen jährlichen Subventionsmillionen durch die Stadt Zürich nicht herausrücken: „Zu detaillierten Kostenangaben geben wir keine Auskunft. Grundsätzlich können wir sagen, dass aufgrund der Rückbesinnung keine bedeutenden Kosten entstehen, aber bestimmte Einsparziele nicht realisiert werden können.“ Es sind umständliche Antworten zu einem Thema, das erstaunlich heiss gekocht wird. Zugegebenermassen auch von Rathuus.

Die Krux mit dem geplanten Verkauf von Energie 360°

Zum zweiten Geld-Thema: Es war ein mittleres Erdbeben im Medienwald, als Stadtrat Michael Baumer (FDP) am 6. November verlauten liess, er habe den Energie-360°-Chef entlassen. Jörg Wild musste Knall auf Fall gehen, weil er Oberchef werden wollte. Und zwar Chef der Elektrizitätswerke des Kantons Zürich – kurz EKZ – inklusive Energie 360°. Dabei verdiente Wild laut dem Finanzbericht 2024 des Energieversorgers schon als Chef des ehemals Erdgas Zürich genannten Betriebs 400’000 Franken im Jahr, deutlich mehr als sein politischer Vorgesetzter und Verwaltungsratspräsident, Michael Baumer. 

Dazu muss man wissen, dass Michael Baumer und mit ihm eine Dreierdelegation des Stadtrats bereits seit einigen Monaten intensiv dabei sind, den Verkauf des Milliardenunternehmens an den Kanton aufzugleisen. Die Rede ist von 1,1 Milliarden Franken, die der Kanton der Stadt Zürich bezahlen müsste.

Am Mittwoch vor zwei Wochen sorgte der geplante Verkauf für weitere Diskussionen im Gemeinderat, ja schon fast für Aufruhr. Auslöser war ein dringlicher Nachtragskredit von 978’000 Franken, den das Departement der Industriellen Betriebe von Stadtrat Baumer beantragte, um den Verkauf weiter voranzutreiben.

Dumm gelaufen – Geld ist schon ausgegeben

Das Blöde: Das Geld hatte der Stadtrat schon ausgegeben. Dennoch nutzten SP, Grüne und AL die Möglichkeit, um mit einem Nein zu der zusätzlichen knappen Million ihre Ablehnung des Verkaufs zu unterstreichen. SP, Grüne und AL. Sie können zusammen Entscheide im Gemeinderat kippen.

Der Unbeteiligte fragt sich unabhängig von den Verkaufsabsichten, warum so ein Verkauf so viel kosten soll. Erfolgshonorare? Externe Beraterhilfen? Vertiefungstage in schönen Hotels oder gar Austausch von Geschenken? Sei’s drum. Es sind ein bisschen viele Ungereimtheiten, die momentan im Departement Baumer vor sich gehen.

Der Nachtragskredit wurde vom Gemeinderat mit 75 zu 44 Stimmen abgelehnt. Das sind keine guten Prognosen für den Verkauf von Energie 360°.

Dabei versuchte Baumer im Gemeinderat, seine Haut so teuer wie möglich zu verkaufen. Er wies darauf hin, dass das Gasnetz in Zürich in den kommenden Jahren schrittweise sowieso stillgelegt und durch thermische Netze ersetzt werden soll (ausser in der Altstadt und etwa in Witikon, Anm. d. Red.). So sei Energie 360° bald einmal eine Firma im Besitz der Stadt, die künftig in Zürich gar nicht mehr tätig sei. Baumer wehrte sich gegen den Vorwurf der Geheimnistuerei. So sei die Parlamentskommission bereits vor rund zwei Jahren über die Marktabklärungen informiert worden, wie der „Tages-Anzeiger“ berichtete.

Es bleibt abzuwarten, wie Baumers Finanzexperten die schon ausgegebene „Verkaufs-Million“ irgendwo im Budget 2026 unterbringen. Denn der Nachtragskredit wurde vom Gemeinderat mit 75 zu 44 Stimmen abgelehnt. Das sind keine guten Prognosen für den Verkauf von Energie 360°. Gelitten hat ohne Zweifel der Ruf von Michael Baumer.

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