An diesem Festival spielen keine Bands, die Bühne gehört der Natur

Das Bild zeigt den recht mühevollen Transport eines der Hochbeete.Mit vereinten Kräften schaffen es Michael Hochstrasser (Lüscher Gartenbau) und Violanta von Salis (von salis communication): Auch auf dem Werdmühleplatz steht eines der Hochbeete. Bild: Lorenz Steinmann

Sie wurden im grössten Regen aufgestellt, die Hochbeete mit Wildblumen. Damit werben die Organisatoren für das Festival Abenteuer Stadtnatur. Der Anlass steht in der Tradition von Stadtzürcher Umweltveranstaltungen.

Es hat sich vom Geheimtipp zur festen Grösse entwickelt – das Festival Abenteuer Stadtnatur, das vom 21. bis 25. Mai stattfindet. Rund 30 Organisationen bieten an über 50 Veranstaltungen Einblicke in die Vielfalt der Pflanzen, Tiere und Lebensräume im naturnahen Zürich. Und das schon zum neunten Mal.

Das diesjährige Fokusthema lautet „Spurensuche in der Nacht“. Beobachtet werden nachtaktive Tiere wie etwa die Igel, die kleinen Fussgänger der Nacht. Bei einer Exkursion mit der Umweltorganisation Dark Sky geht es darum, herauszufinden, was Tiere stresst, wenn es zu viele Lichtquellen hat. Und bei einem Fotokurs werden Wildtiere in nächtlichen Stadtlandschaften porträtiert.


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Das Thema im Schnelldurchlauf

Für alle sichtbar gemacht wird das Festival mit Wildblumenbeeten, welche die blühende Natur auf den Paradeplatz, auf den Werdmühleplatz, ans Limmatquai und vor elf Gemeinschaftszentren bringen. Das Aufstellen der SBB-Paletten war kein Schleck, regnete es doch den ganzen Tag in Strömen. Doch der Regen sei ein Segen gewesen für die Natur, hiess es von der beteiligten Gartenbaufirma. Auch Violanta von Salis vom Veranstaltungsbüro Abenteuer Stadtnatur, die selber ebenfalls anpackte, nahm es mit Humor. Sie war zwar abends nass bis auf die Haut, doch um eine Erfahrung reicher.

Auf dem Paradeplatz stehen ebenfalls zwei der Hochbeete von Abenteuer Stadtnatur.Das ist nicht alltäglich. Auf dem 100 Prozent asphaltierten Paradeplatz stehen zwei Hochbeete mit Wildpflanzen. Bild: Lorenz Steinmann

Für alle, die am Festival selber keine Zeit oder keine Lust auf längere Ausflüge haben, ist der folgende Tipp passend: Am Donnerstag, 22. Mai, von 19 bis 20.30 Uhr wird in Zusammenarbeit mit dem Newsportal Tsüri im Kulturpark eine sogenannte Pitch-Night veranstaltet. „Nachtschwärmer aufgepasst!“ lautet das Thema. Expertinnen und Experten „pitchen“ – also präsentieren – dabei in je sieben Minuten die nächtliche Stadtnatur.

Der erstarkte Verbund im Hintergrund

Hinter dem Festival steht der Verbund Lebensraum Zürich (VLZ). Über 50’000 Bewohnende der Stadt Zürich tragen die 40 Vereins- und 90 Gönnermitgliedschaften und damit die Ideen und Aktivitäten des VLZ. Dabei sind unterschiedliche Verbände querbeet vom Hauseigentümerverband Zürich bis zur Umweltschutzorganisation WWF Zürich, vom Verschönerungsverein Zürich bis zum Science Lab UZH der Universität Zürich oder der Allgemeinen Baugenossenschaft Zürich. Sie alle wollen beitragen zum VLZ-Vereinsziel nach mehr Grünräumen und mehr Lebensqualität für Menschen, Tiere und die Natur.

Das Bild zeigt Ueli Nagel und Monica Sanesi.Ueli Nagel ist zurückgetreten als Präsident des Verbundes Lebensraum Zürich (VLZ). Nachfolgerin wurde Monica Sanesi. Bild: Lorenz Steinmann

Eben hat die Stabübergabe beim Präsidium stattgefunden. An der Generalversammlung des VLZ trat der alt Gemeinderat Ueli Nagel (Grüne) nach zehn erfolgreichen Präsidiumsjahren zurück. Mit Monica Sanesi hat ein bisheriges Vorstandsmitglied die Leitung übernommen und sorgt so für Kontinuität. Sie ist zudem GLP-Kantonsrätin und kann die Brücke in die Politik schlagen.

Weniger Zukunftssorgen als auch schon hat der VLZ zudem, weil er ab 2025 mit jährlich 80’000 Franken von der Stadt Zürich unterstützt wird.

Das sind die prominenten Vorgängerveranstaltungen

Das Thema Natur steht im Mai nicht nur in Zürich im Fokus. Abenteuer Stadtnatur ist nämlich der Stadtzürcher Beitrag zum Festival der Natur, welches aus Anlass des internationalen Tags der Biodiversität (22. Mai) in der ganzen Schweiz mit rund 750 Veranstaltungen stattfindet. Dabei erinnern sich naturaffine Zürcherinnen und Zürcher vielleicht an die Zürcher Umwelttage, die zum fast gleichen Thema zwischen 2004 und 2011 stattfanden. Das Patronat hatte damals die Stadt Zürich.

Alle Formen der Mobilität hatten die ebenfalls von der Stadt Zürich organisierten Aktionstage Zürich multimobil im Fokus. Diese stellte die Stadt Zürich zwischen 1999 und 2013 auf die Beine. Jene durchaus streitbare Veranstaltung kam ursprünglich vom europäischen Aktionstag „In die Stadt – ohne mein Auto“ her.

Auf dem Foto sieht man die autofreie Uraniabrücke im Jahr 2003 mit spielenden Menschen.Kampagne für eine autofreie Mobilität, etwa auf der Rudolf-Brun-Brücke im Jahr 2003. Das passierte im Rahmen von Zürich multimobil. Bild: Lorenz Steinmann

Aus heutiger Sicht fast unvorstellbar stellte sich der damalige SP-Stadtrat Robert Neukomm höchstpersönlich an eine Einfallsachse und verteilte Flyer an die vor dem Rotlicht wartenden Automobilistinnen und Automobilisten.

Tempi passati! Heute sorgen schon zwei auf dem Paradeplatz aufgestellte Blumenbeete für Schlagzeilen, zumindest auf Rathuus.


Themenbezogene Interessenbindung des Autors: Lorenz Steinmann hat im Rahmen seiner Tätigkeit beim Verlag Lokalinfo bis 2023 die Sonderzeitung „Abenteuer Stadtnatur“ für den Verbund Lebensraum Zürich verantwortet. Und ja, er war vor Jahren auch Gesamtprojektleiter der von der Stadt Zürich organisierten Veranstaltung Zürich multimobil. 2025 trägt er auf Mandatsbasis mit Texten und Fotos zum Gelingen des Naturfestivals bei.

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