In den Sitzungszimmern des Stadtzürcher Gemeinderats liefen die Fäden heiss. Jetzt kommt es zum Showdown rund um die Entsorgungs-Coupons. Eine unheilige Allianz, angeführt von FDP und AL, will verhindern, dass die „ERZ-Gutscheine“ fürs Gratis-Abfallentsorgen abgeschafft werden.
Es gibt gewisse Alltagsthemen, bei denen gehen die Wogen hoch. Eines davon sind die Entsorgungs-Coupons von Entsorgung und Recycling Zürich (ERZ). Aktuell immerhin gegen 100 Franken wert sind die vier Wertcoupons, die jeder Haushalt die letzten Jahre ungefragt bekam. Damit konnte man kostenlos 400 Kilogramm Sperrgut in Zürichs Abfallcenter in Affoltern (ehemals Hagenholz) und im Werdhölzli bringen. Ein Angebot, dass gut ankam in der Bevölkerung und dazu beitrug, dass verhältnismässig wenig Sperrmüll einfach aufs Trottoir gestellt wurde.
Trotzdem hatte das Tiefbau- und Entsorgungsdepartement von Stadträtin Simone Brander (SP) 2024 beschlossen, diese Coupons abzuschaffen. Grund: Die Anpassung des Zürcher Recycling-Regimes an die geltenden Gesetze.
Der Stadtzürcher Gemeinderat aber war gegen eine sofortige Abschaffung und überwies daraufhin einen entsprechenden Vorstoss an die Stadtregierung. Der Wunsch: Man solle den Entscheid doch zumindest für so lange überdenken, bis Alternativen da seien. Doch Stadträtin Brander, Vorsteherin des Tiefbau- und Entsorgungsdepartements, blieb hart, sprach davon, dass regelkonforme Entsorgung gemäss Verursacherprinzip schon etwas kosten dürfe. Und: „Die Entsorgungscoupons widersprechen dem Ziel, Abfall zu vermindern und vermeiden, weshalb sie nicht mehr zeitgemäss sind“, so ERZ.
Erst zwei Drittel der Recycling-Stellen sind parat
Dabei will ERZ das Entsorgungsangebot durchaus ausbauen. Nur ist man noch nicht so weit. Das Cargo-Tram (Sperrgut), E-Tram (Elektrogeräte) und der mobile Recyclinghof halten heute an 19 Standorten in der Stadt Zürich. Ab 2026 soll der mobile Recyclinghof die Entsorgungstrams, die altersbedingt ausgemustert werden, ablösen und stadtweit an bis zu 30 Standorten Halt machen.
Stossend aus Sicht vieler ist, dass ERZ und auch die politische Leiterin Simone Brander in einer Hauruckaktion jetzt schon auf die beliebten ERZ-Entsorgungs-Coupons verzichten wollen. Ende April verlieren die aktuellen Bons ihre Gültigkeit. Doch nun haben Brander und Co. ihre Rechnung ohne den Wirt gemacht. Sprich, in der vorberatenden Gemeinderatskommission kam überraschend ein Änderungsantrag durch, der es in sich hat:
„Bis zur Ablösung des Cargo- und des E-Trams durch die geplanten rund 30 Mobilen Recycling-Höfe (MRH), mindestens aber bis zum 31. Dezember 2027, werden jedem Haushalt in der Stadt Zürich für die Kalenderjahre 2025, 2026 und 2027 je zwei kostenlose Entsorgungs-Coupons pro Kalenderjahr zugestellt“, heisst es im Änderungsantrag.
Für diesen Kompromiss waren die Kommissionsmitglieder von FDP, GLP, SVP, Die Mitte und AL. Dagegen waren SP und Grüne. Also eine recht deutliche Sache. Wenn die AL bei ihrer Meinung bleibt im Gemeinderat, kommt das Anliegen durch.
Keine Freude in den Amtsstuben
Wie Rathuus weiss, lief die Verwaltung und auch Simone Brander Sturm gegen den demokratisch zustande gekommenen Wunsch. Sogar ein juristisches Gutachten liess man erstellen. Stossrichtung, man dürfe zwei verschiedene Dinge nicht vermischen in einer Weisung. „Verletzung der Einheit der Materie“ heisst das im Fachjargon. Doch die Gemeinderatskommission setzte sich trotzdem durch. Und jetzt kommt es zur Abstimmung, aller Voraussicht nach am kommenden Mittwoch. Einziger Haken: Das Geschäft ist erst als Traktandum 14 aufgelistet, also relativ spät. Es könnte also sein, dass das Geschäft doch noch nicht an der nächsten Sitzung behandelt wird.
Dabei drängt die Zeit, weil wie erwähnt die aktuellen Entsorgungs-Coupons Ende April 2025 ihre Gültigkeit verlieren.
Es könnte also sein, dass ERZ und Simone Brander eine Klatsche kassieren. Man darf gespannt sein, wie rasch der Parlamentswille dann auch umgesetzt wird.

Sind beliebt bei der Stadtzürcher Bevölkerung: Werden die ERZ-Entsorgungs-Coupons dank dem Gemeinderat doch nicht abgeschafft? Bild: Lorenz Steinmann
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