Es ist eine bitterböse Polit-Analyse, die Andreas Russenberger in seinen Kriminalroman „Zürich-City“ einfliessen lässt. Darin wischen Uni-Co-Rektor Philipp Humboldt und Kripochef Armand Muzaton dem unsympathischen Regierungsrat Walter Honegger auf elegante Art eins aus. Rathuus verlost vier Bücher.
Nach aussen ist er ein Mann von Welt, eine Führungspersönlichkeit, die dem Kanton Zürich und seiner Bevölkerung viel bringt. Mehr Ansehen in der Schweizer Politik, in der Wirtschaft und vor allem in der Tech-Welt. Wenn da nur nicht seine andere Seite wäre. Jene fiese Art, die vor allem Untergebene zu spüren bekommen. Dafür fast jeden Tag.
Es sind jene Charakterzüge, die in keinem Porträt erwähnt werden und auch aus ruppigen Interview-Antworten herauskorrigiert werden. So ist er halt – zumindest im neusten Krimi von Andreas Russenberger. Darin heisst der Regierungsrat Walter Honegger – ein machtbesessener Mensch und rücksichtsloser Polit-Verwalter, der nur seine nächste Karrierestufe im Kopf hat und dem das Zürcher Bildungswesen ziemlich am Allerwertesten vorbeigeht. Kein Wunder, kann es Uni-Co-Rektor Philipp Humbolt gar nicht mit ihm. Und weil manchmal das Zurückzahlen die beste Antwort ist, führt Humboldt seinen Vorgesetzten so richtig aufs Glatteis.
Mehr sei an dieser Stelle über den Krimi „Zürich-City“ nicht erwähnt. Nur noch so viel:
Im fünften Band der Krimiserie rund um Finanzprofessor Philipp Humbolt und Kripochef Armand Muzaton sorgt das unkonventionelle Ermittlerduo auch auf internationalem Parkett für Furore. Humboldt und Muzaton heizen den höchsten Kreisen gehörig ein, also nicht nur dem Zürcher Regierungsrat, sondern gleich auch noch der US-Politik. Das verspricht Spannung pur mit Schauplätzen im verträumten Zürich, in der aufstrebenden Demokratischen Republik Kongo – Stichwort Rohstoffhandel – und in höchsten US-Politikerkreisen.
Der neuste Russenberger-Krimi besticht durch gelungene Gesellschaftskritik, spannende Einblicke in die Mechanik der Hochfinanz und des Abbaus des Roherzes Coltan – und was uns blühen könnte durch die kriminelle Energie von künstlicher Intelligenz.
Den Krimi „Zürich-City“ hat wiederum Andreas Russenberger geschrieben. Er kann auf eine reiche Lebenserfahrung als Gymnasiallehrer mit Uniabschlüssen in Zürich zählen, aber auch als Leiter der globalen Vermögensverwaltung der damaligen Credit Suisse. Das sind Berufsstationen, die seine Werke sehr realitätsnah wirken lassen – mit der genügenden Portion Insiderthrill. Doch wie tickt so ein Mensch?
Darüber schreiben, was einen interessiert
Kürzlich fand dazu die sehr gut besuchte Buchvernissage in der Orell-Füssli-Buchhandlung bei der Zürcher Bahnhofstrasse statt. Dank der Moderation des SRF-Auftrittscoach Thomas Mathys verlief der Abend untypisch für eine Lesung. Also weniger reines Vorlesen als vielmehr ein munteres Interview mit durchaus überraschenden Antworten. Etwa, dass der 58-Jährige seine erschienenen Bücher nie mehr lese. Grund: „Ich habe Angst, dass es falsche Worte drin hat.“ Oder, dass er immer mit Zweifeln kämpfen müsse. Der Druck als Autor sei gross: „Wenn ich wieder auf der Bestsellerliste stehe, muss ich das geniessen.“ Sprich: Darauf verlassen könne man sich nie und nimmer.
Schreibblockaden hingegen habe Russenberger nie. Sein Rezept: „Ich schreibe nur über das, was mich auch selber interessiert.“ Der „Chnorz“ starte, wenn das Buch fertig geschrieben sei. „Dann beginnen die 100 Überarbeitungen“, so der Pfarrerssohn, dem als studierter Historiker die geschichtlichen Zusammenhänge am Herzen liegen. So sieht er einen Zusammenhang zwischen dem heutigen, global vernetzten Rohstoffhandel und früheren Geschäften in Zeiten etwa des Familienclans von Unternehmer und Politiker Alfred Escher im 19. Jahrhundert. „Darüber reden nützt, übermalen von Mohrenkopf-Inschriften wie in Zürich hingegen geht nicht.“ Dabei gebe es durchaus wieder koloniale Tendenzen.
Ein Krimi mit Verfilmungspotenzial
Auch aus dieser Sicht ist Russenbergers neustes Werk „Zürich-City“ hochaktuell – denn in einem Erzählstrang geht es um den Rohstoff Coltan, den man zur Gewinnung des seltenen Metalls Tantal benötigt, welches wiederum in jedem Handy vorhanden ist. Und eben dieser Abbau von Coltan in der Republik Kongo ist Ursache für schwere Konflikte, Menschenrechtsverletzungen und Umweltschäden.
Laut der Einschätzung des Moderators Thomas Mathys haben Russenbergers Krimis viel Potenzial für Drehbücher. Mathys, der selbst Schauspieler ist, kann das wohl bestens beurteilen. Gegenüber dem Onlineportal…

An der Lesung in der Orell-Füssli-Buchhandlung sprachen SRF-Auftrittscoach Thomas Mathys (l.) und Andreas Russenberger unter anderem über den Schreibstau und die Leseangst, wenn das eigene Buch erschienen ist. Bild: Lorenz Steinmann
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