Was als kleine Beamtenversicherung begann, ist heute die grösste Pensionskasse der Schweiz. Ein neues Buch erzählt die alles andere als gradlinige Geschichte der BVK – inklusive eines Skandals, der die Institution in den 2010er-Jahren erschütterte.
Fast alles fängt mal klein an: Nach dem ersten Jahr des Bestehens versicherte die 1926 gegründete Beamtenversicherungskasse (heute BVK) 2462 Personen – bei einer Bilanz von drei Millionen Franken. 100 Jahre später sind es gut 146’000 Versicherte und ein Vermögen von über 45,8 Milliarden Franken. Die BVK ist damit die grösste Pensionskasse der Schweiz. Kein Wunder, lässt darum schon das Geleitwort im Buch „Renten, Renditen und Risiken – 100 Jahre BVK“ keinen Zweifel zu. Man ist stolz, mächtig stolz.
„Der Kanton Zürich erbringt sehr viele Leistungen zugunsten seiner Bevölkerung und Wirtschaft, zum Beispiel in der Bildung, der Gesundheit, der Sicherheit oder im Verkehr“, heisst es darin. Er sei dabei auf kompetente und verlässliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter angewiesen, denen er ein umfassendes Paket an Vergütungen biete – mit der BVK als zentralem Pfeiler für die Vorsorge. „Die BVK ist somit für beide Seiten unerlässlich“, schreibt Regierungsrat Ernst Stocker (SVP). Für die Mitarbeitenden, deren Pensionskassenguthaben oft einen stattlichen Teil des Privatvermögens ausmachen würden, sei sie ein Garant für Stabilität im Alter. Und für den Kanton sei die BVK ein Trumpf im Wettbewerb um motiviertes Personal, schwärmt der Finanzdirektor.
Es ist ein Auftakt nach Mass. Aber trotz der salbungsvollen Worte Stockers ist das neue Buch keine trockene Unternehmenschronik mit dem Ziel der reinen Selbstbeweihräucherung geworden. Dem Autor und Historiker Werner Vogt gelingt über weite Teile der schwierige Spagat zwischen Imagepflege und Selbstkritik. Denn die BVK erlebte Höhen und Tiefen.
„Öffentlich bekannt wurde die Korruptionsaffäre, die über acht Jahre lang unentdeckt blieb, mit der Festnahme des damaligen Anlagechefs im Juni 2010“, schreibt Autor Werner Vogt.
Anlagechef baute Bestechungsnetz auf
In einem Kapitel geht es um einen ehemaligen Anlagechef der BVK, also jene Person, die über die Investition des Vorsorgevermögens entscheidet. Dieser hatte in den Jahren 2001 bis 2010 ein Bestechungsnetz aufgebaut. Er erhielt Geld und andere materielle Güter für die Vergabe von Vermögensverwaltungsmandaten. In vielen Fällen sind diese laut Buch nicht nur überteuert, sondern auch verlust- statt gewinnbringend für die BVK gewesen.
„Öffentlich bekannt wurde die Korruptionsaffäre, die über acht Jahre lang unentdeckt blieb…

1928 wurden die Beiträge der Regierungsräte an ihre Pensionskasse noch handschriftlich in einem Buch eingetragen. Für Korrespondenz waren aber schon Schreibmaschinen vorhanden. Bild: Staatsarchiv Zürich
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