Die Journalistin und Mitte-Politikerin Nathalie Zeindler ist überzeugt: „Repräsentation bedeutet, dass wir den Mut aufbringen, die Dynamik der Basis auch an der Spitze zuzulassen.“ Für sie ist es symptomatisch, wie die Stadtratskandidatinnen in der öffentlichen Wahrnehmung oft weniger Plattformen erhalten.
Zürich erlebt derzeit eine bemerkenswerte Dynamik: Wie der „Tages-Anzeiger“ kürzlich berichtete, bewerben sich so viele Frauen wie noch nie für einen Sitz im Gemeinderat. Während die Legislative immer vielschichtiger zu werden scheint, wirkt die Debatte um die Besetzung des Stadtrats noch etwas statisch.
Dass das Thema weibliche Vertretung in der Exekutive eher am Rande behandelt wird, stellt einen Verlust für den demokratischen Diskurs dar.
Perspektiven einer Biografin
Als Journalistin und Biografin zweier unterschiedlicher Persönlichkeiten wie alt Nationalrätin Judith Stamm (CVP) und SP-Nationalrätin Jacqueline Badran habe ich eines gelernt: Sichtbarkeit ist das Ergebnis von Profil und unermüdlichem Einsatz. Ob es Judith Stamm war, die als unerschrockene Frauenkämpferin ihrer Zeit stets einen Schritt voraus war, oder Jacqueline Badran, die mit ihrer bekannten Hartnäckigkeit essenzielle Themen wie die Immobilien- und Bodenpolitik besetzt – beide Frauen haben gezeigt, dass die Qualität politischen Wirkens auch von eigenständigen Stimmen lebt.
Eine Stadtregierung profitiert enorm, wenn sie unterschiedlichste Biografien integriert. In einem Umfeld mit stabilen Mehrheitsverhältnissen droht dieser befruchtende Wettbewerb jedoch manchmal in den Hintergrund zu treten. Wenn Organisationen wie die Zürcher Frauenzentrale heute überparteilich für mehr Sichtbarkeit von Frauen auch im Stadtrat werben, kann dies als wichtiges Signal gegen Marginalisierung gewertet werden.
Politische Vielfalt als Qualitätsmerkmal
Dass neue Kandidatinnen wie Serap Kahrimann (GLP), Karin Weyermann (Mitte), Marita Verbali (FDP), Sandra Gallizzi (EVP) oder Tanja Maag (AL) in der öffentlichen Wahrnehmung rund um die Stadtratswahlen oft weniger Plattformen erhalten, ist symptomatisch. Dabei geht es nicht um die Abwertung bestehender Mehrheiten, sondern um die Aufwertung des gesamten politischen Mosaiks unserer Stadt. Wahre Repräsentation benötigt neben der Geschlechtergleichheit auch eine politische Vielfalt.
Als Mitte-Gemeinderatskandidatin im Wahlkreis 6 und Vorstandsmitglied der Mitte Frauen Kanton Zürich sehe ich mich als Brückenbauerin. Wir benötigen eine Politik, die das Trennende überwindet und die Vielfalt der Meinungen als Stärke begreift.
Repräsentation bedeutet für mich, dass wir den Mut aufbringen, die Dynamik der Basis auch an der Spitze zuzulassen.
Schwung nutzen
Der Frauenrekord bei den kommenden Gemeinderatswahlen ist auch als Versprechen zu verstehen. Wir zeigen damit, dass die Politik von der Beteiligung vieler lebt und auch im Stadtrat ernst genommen werden sollte. Zürich verdient eine Exekutive, die so dynamisch und vielschichtig ist wie die Menschen, die hier leben. Nur wer echte politische Vielfalt zulässt, sichert die Innovationskraft unserer Stadt.
Nathalie Zeindler ist Journalistin und Biografin. Nach Jahren der präzisen Beobachtung und Dokumentation des politischen Geschehens möchte sie nun ihre Erfahrung nutzen, um zum aktiven Mitgestalten überzugehen. Sie kandidiert für den Stadtzürcher Gemeinderat im Wahlkreis 6 (Die Mitte, Liste 7, Platz 2).

In einer Gastkolumne äussert sich Gemeinderatskandidatin Nathalie Zeindler (Die Mitte) pointiert. Bild: zvg
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