Die AL hat am Dienstag an ihrer Generalversammlung entscheiden, dass sie 2026 bei den Zürcher Stadtratswahlen mit einer eigenen Kandidatur antreten will. Für die Grünen möchte der altgediente Nationalrat Balthasar Glättli in die Hosen steigen.
Update: Die AL will wieder in den Stadtrat
Die Alternative Liste (AL) hat sich gemäss einer Medienmitteilung an ihrer Generalversammlung von heute Dienstagabend für eine Stadtrats-Kandidatur ausgesprochen. „Im Rahmen der Diskussion bekundeten bereits mehrere Personen ihr Interesse an einer Kandidatur – die Co-Fraktionspräsidentin Tanja Maag sowie Gemeinderat Michael Schmid“, schreibt die Partei. Weitere Interessierte können sich bis zum 3. Juni melden.
Mit wem die AL dann konkret antreten will, um einen Sitz im Zürcher Stadtrat zu erobern, entscheidet die ausserordentliche Vollversammlung am 10. Juni. Mit einer eigenen Kandidatur wolle die Partei zentrale politische Anliegen verstärkt in die Exekutive tragen – „darunter faire Löhne und Steuern, preisgünstiger Wohnraum, eine solidarische Stadtentwicklung, der Schutz von Grundrechten sowie der gleichberechtigte Zugang zu Gesundheitsversorgung und Bildung“. (pat.)
Morgen Dienstag um 18 Uhr treffen sich die AL-Delegierten an der Hohlstrasse 86 c zur Generalversammlung. Wichtigstes Traktandum ist, ob die Linksaussenpartei bei den Zürcher Stadtratswahlen im Februar 2026 mit einer eigenen Kandidatur antritt oder nicht. Wie es auf Anfrage heisst, wird aber noch nicht entschieden, welche Person dafür infrage kommen könnte.
Dazu ein kurzer Rückblick: AL-Stadtrat Richard Wolff trat 2022 zu den Gesamterneuerungswahlen nicht mehr an. Dies, nachdem Wolff 2013 für die Alternative Liste doch eher überraschend einen Stadtratssitz holte. Er erzielte am 21. April 2013 im 2. Wahlgang 685 Stimmen mehr als sein FDP-Konkurrent Marco Camin und wurde mit 27’550 Stimmen Nachfolger von Finanz-Urgestein Martin Vollenwyder. Der Schachzug der FDP, mit einer ausserterminlichen Ersatzwahl ihren Sitz auf sicher zu haben, ging nicht auf.
Angst unterlag Baumer nur knapp
2022 bei den letzten Neuwahlen für den Stadtrat gelang es AL-Mann und Mieterverbands-Vertreter Walter Angst nicht, den Sitz von Wolff zu verteidigen. In einem Kopf-an-Kopf-Rennen mit Michael Baumer (FDP, bisher) holte Baumer rund 1200 Stimmen mehr als Angst. Dieser erzielte zwar ebenfalls genügend Wahlstimmen, kam aber als Überzähliger nicht zum Zug.
Ob Wolffs neun Jahre im Stadtrat zumindest theoretisch bald eine AL-Fortsetzung erhalten, ist also noch offen. Die AL-Personaldecke ist aktuell eher dünn. Bekannte Aushängeschilder fehlen. Am ehesten infrage kommen könnten Gemeinderat David Garcia Nuñez, die Gemeinderätinnen Karen Hug oder Tanja Maag und Kantonsrätin Lisa Letnansky. Sicher auch Wahlchancen hätte Gemeinderat Michael Schmid, der Namensvetter des FDP-Fraktionschefs.
Schmid von der AL hat einen gewissen Bekanntheitsgrad erlangt, weil er jeweils eine Mehrheit des Gemeinderats gegen Laubbläser und kommerzielle Werbung im öffentlichen Raum hinter sich scharen konnte. Vor allem die geplante Einschränkung von digitalen Werbedisplays machte sogar national Schlagzeilen.
Die AL will am Dienstag ihren Grundsatzentscheid fällen und allenfalls in einer späteren Versammlung – wohl erst nach den Sommerferien – eine Kandidatur präsentieren. Politbeobachterinnen und Politbeobachter gehen davon aus, dass eine AL-Kandidatur im links-grünen Umfeld durchaus Chancen hätte.
Glättli wählte den Alleingang
Apropos Grüne. Heute Montag wählte Balthasar Glättli den „Tages-Anzeiger“, um seinen Anspruch auf einen dritten Stadtratssitz der Grünen kundzutun. Der Nationalrat und ehemalige Präsident der Grünen Schweiz (2020 bis 2024) liess sich im „Tagi“ so zitieren: „Ich glaube, es gibt keine bessere Person dafür.“ Mit einer unbekannteren Person werde die Eroberung eines dritten Stadtratsitzes schwieriger, so der 53-Jährige.
Glättli sass von 1998 bis 2011 im Gemeinderat. Er will schaffen, was seiner Frau Min Li Marti für die SP zweimal nicht gelang – den Sprung in die Stadtzürcher Exekutive. Die Nationalrätin Min Li Marti unterlag parteiintern sowohl Raphael Golta, als später auch Simone Brander.

Da war die AL-Welt noch in Ordnung. Der Gesamtstadtrat von Zürich in einer Aufnahmen von 2018. Dritter von links: Richard Wolff (AL). Bild: Stadt Zürich
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