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Zürcher Stadtrat an Bord: Jetzt wird nach Strassburg gerudert

Zu sehen ist das neue Schiff aus Holz - mit Namn turicum. Es ist farbig bemalt und besitzt vier Antribsruder, sowie zwei Steuerruder.Eine Bootsfahrt, die ist lustig. Das eben in Betrieb genommene Langboot heisst Turicum. Bild: Pia Meier

Das neuste Langschiff des Limmat-Clubs Zürich heisst „Turicum“. Im August bestreitet der Zürcher Stadtrat mit dem Boot die nur alle zehn Jahre stattfindende Hirsebreifahrt nach Strassburg. Dann heisst es: Politik gegen Ruder tauschen und ab Richtung Elsass.

Die Taufe eines Schiffes folgt beim Limmat-Club Zürich einem ganz speziellen Ritual. So durfte Neptun bei der Zeremonie am vergangenen Samstag nicht fehlen. Er ist gemäss der römischen Mythologie der mächtige Gott des Meeres, der fliessenden Gewässer und der Stürme. Gekennzeichnet durch seinen Dreizack, gilt er auch als Schutzpatron der Fischer und Seeleute. Er kam mit dem Schiff zur Taufe des neuen Langschiffs beim Sitz des Limmat-Clubs an der Schipfe 10 mitten im Kreis 1 an. Der Gott mit dem Dreizack drückte sich deutlich aus: „Ich entscheide, ob dieses Langschiff sinkt oder nicht.“

Auch Taufpate André Graf, Chef Kommissariat Wasserschutzpolizei, traf mit dem Schiff ein. „Es ist für mich eine grosse Ehre, Pate zu sein“, hielt er fest. Es war kein Zufall, dass er Taufpate wurde, wie Nik Dürst, Präsident des Limmat-Clubs, in seiner Rede erklärte. „Der Limmat-Club ist 1869 gegründet worden. Er gilt als Vorläufer der heutigen Wasserschutzpolizei, weil die Mitglieder wasserfahr- und schwimmkundig waren und bei Notfällen wie Hochwasser Hilfe leisteten, um Menschen vor dem Ertrinken zu bewahren“, so Dürst.

Graf taufte das Langschiff auf den Namen „Turicum“. Dazu zerschlug er eine Flasche Schaumwein am Schiff. Umrahmt wurde der feierliche Akt von Fanfaren der Stadtmusik Zürich. Anschliessend gingen Neptun und Graf mit auf die Jungfernfahrt.

Taufpate war Hauptmann André Graf, Chef Kommissariat Wasserschutzpolizei.Taufpate war Hauptmann André Graf, Chef Kommissariat Wasserschutzpolizei. Neben ihm Neptun, der Gott der fliessenden Gewässer. Bild: Pia Meier

Der Limmat-Club Zürich besitzt Weidlinge und Langschiffe. Bei diesen handelt es sich um Flachboote für fliessende Gewässer, also primär für die Limmat. Das neue Langschiff ist 15 Meter lang und 2,4 Meter breit. Es ist grösstenteils aus Fichten- und aus etwas Eichenholz gebaut. Es wiegt zirka 1200 Kilogramm. Die Bauzeit betrug zirka 250 Stunden. Es wurde von Ehrenmitgliedern vom Limmat-Club von Hand bemalt. 30 Personen finden auf ihm Platz.

Angetrieben werden kann das Schiff mit einem 50-PS-Motor. Oder mit Muskelkraft: Zwei Steuerleute im Heck und vier Stehruderleute im Bugbereich oder zwei Steuerleute und eine 6er- oder 8er-Schlagruder-Mannschaft. Ausgerüstet ist es zudem mit einer Böllerkanone für Salutschüsse bei Ankünften und bei heiklen Brücken. Die Kosten ohne Fahrgeschirr inklusive Transportlieferung betrugen zirka 44’000 Franken. „Grund für die Neuanschaffung war, dass das alte Langschiff in die Jahre gekommen war und ersetzt werden musste“, erläuterte Dürst.

Der Gesamtstadtrat fährt mit

Auf dem neuen Langschiff wird der Hirsebrei anlässlich der Hirsebreifahrt vom 19. bis 23. August von Zürich nach Strassburg transportiert. Am 19. August ist auch der Gesamtstadtrat mit dabei, auf der ersten Schiffsetappe von Zürich nach Wettingen. Und zwar vollzählig: Stadtpräsident Raphael Golta (SP), Daniel Leupi (Grüne), Karin Rykart (Grüne), Andreas Hauri (GLP), Simone Brander (SP), Tobias Langenegger (SP), Michael Baumer (FDP), Balthasar Glättli (Grüne) und Céline Widmer (SP). Vervollständigt wird die hochkarätige Delegation von Stadtschreiber Thomas Bolleter sowie vom Rechtskonsulenten Andrea Töndury.

Am 20. August fährt dann aber von Laufenburg nach Rheinfelden niemand vom Stadtrat mit auf der „Turicum“. An diesem Tag ist ausserordentliche Stadtratssitzung in Zürich. Am Galaabend vom 23. August in Strassburg sind dafür immerhin Golta mit seiner Gattin Catherine Heuberger, Leupi, Baumer sowie Widmer dabei.

Die historische Fahrt geht auf das Jahr 1456 zurück. Damals reisten Zürcher Schützen und Limmat-Schiffer nach Strassburg. Mit einer Bootsfahrt über Limmat, Aare und Rhein wollten sie beweisen, dass die Zürcher im Ernstfall innerhalb von 24 Stunden zur Verteidigung der verbündeten Stadt eintreffen konnten. Als Beweis für die Schnelligkeit brachten sie einen Topf Hirsebrei mit, der bei der Ankunft in Strassburg noch warm war.

Eine erste grosse Fernfahrt der Neuzeit führte den Limmat-Club Zürich 1893 nach Strassburg. Daraus resultierte nach dem Zweiten Weltkrieg die Hirsebreifahrt in ihrer heutigen Form. Sie wird alle zehn Jahre durchgeführt.

Hier geht’s zum Programm der Reise vom August.

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