W Social will die europäische Alternative zur US-amerikanischen Social-Media-Plattform X sein. Bei W Social müssen sich die Nutzerinnen und Nutzer mittels Ausweis verifizieren. Das Ziel: weniger Hass und Falschinformationen. Wir sind jetzt auch dabei.
Kommen wir ohne Umschweife gleich zum Punkt. Rathuus hat seit Kurzem ein Profil auf W Social. Das ist eine europäische Social-Media-Plattform, die vom Stil her dem Kurznachrichtendienst X (ehemals Twitter) gleicht. Im Gegensatz zu X, das dem Tech-Milliardär Elon Musk gehört, hat sich W Social dem Kampf gegen Hass und Falschinformationen verschrieben.
Gründerin von W Social ist die frühere Ebay-Datenschutzbeauftragte Anna Zeiter, die in der Schweiz lebt. Sie ist Lehrbeauftragte für European Data Law an der Universität Bern. Laut einem Artikel der „Republik“ hat die X-Alternative ihren Sitz in Stockholm und wird von der finnischen Firma Up-Cloud gehostet. „Zeiter will eine europäische digitale Öffentlichkeit schaffen, die Medieninhalte und den Puls europäischer Städte in den Newsfeeds bündelt“, schreibt das Onlinemagazin.
Der grosse Unterschied zu anderen Plattformen und sicher auch ein Kritikpunkt ist, dass man sich bei W Social mit einem Ausweis identifizieren muss. Also zum Beispiel mit dem Reisepass. Die persönlichen Daten sollen nach der Verifikation sofort gelöscht werden. Aber: Im digitalen Zeitalter gibt es keine hundertprozentige Sicherheit vor einem Datenleck. Die Frage der „Republik“ ist darum nicht unberechtigt: „Doch weshalb soll man ausgerechnet einem neuen Unternehmen seine Passdaten anvertrauen?“
Wir von Rathuus haben uns bei W Social registriert, weil wir glauben, dass auf Social Media unter erfundenen Namen oder mit gefälschten Accounts zu viel Schindluder betrieben wird. Dies, weil alles unter dem vermeintlich schützenden Mantel der Anonymität geschieht. Das ist insofern stossend, als dass im Gegensatz dazu in gedruckten Zeitungen in der Regel keine anonymen Leserbriefe abgedruckt werden.
Klar, vermutlich haben wir eine vielleicht zu naive schweizerische Haltung. Wir leben in einem Land, in dem freie Meinungsäusserung einen Wert hat und man hoffentlich keine Verfolgung durch die Behörden befürchten muss, solange man nicht zu Gewalt aufruft, Lügen verbreitet oder andere diskriminiert. Dass die Lage für politisch verfolgte Menschen oder Whistleblower anders aussieht, ist uns bewusst.
Weniger Fake News und Hass auf Social Media wären definitiv ein Gewinn. Ob das profitorientierte Start-up W Social den Spagat zwischen Datenschutz und Meinungsfreiheit schafft, wird sich zeigen.
PS: Rathuus ist weiterhin auf der Social-Media-Plattform Bluesky, die ebenfalls eine X-Alternative sein will, und dem Karrierenetzwerk Linkedin aktiv.

Rathuus ist auf Bluesky, Linkedin und seit Kurzem auf W Social aktiv. Bild: Pascal Turin
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