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Das grosse Zittern bei „Wnti“

Auf dem Bild zu sehen ein Notebook mit der Website von Wnti. Daneben die Hand eines Journalisten und ein Fotoapparat.Heruntergerechnet gut 800 Franken kostet die Produktion eines Artikels bei Wnti. "Das ist viel Geld für langweilige Buchstabenanreihungen", findet unser Medienkritiker. Bild: Pascal Turin

Das Winterthurer Onlinemagazin Wnti ist im März 2025 als Reaktion auf das Streichkonzert bei der Tageszeitung „Der Landbote“ entstanden. Doch die Magie eines neuen Lokaljournalismus wirkt heute eher schwach. Ob die meist für ein Jahr abgeschlossenen Abos erneuert werden, scheint ungewiss. Eine Medienkritik.

Kollegenschelte ziemt sich nicht. Wenn ich hier über die Macher von „Wnti“ schreibe, dann eher aus Bewunderung und nicht aus Neid. Wir sitzen ja alle im gleichen Boot. Es gibt immer weniger Journalisten im Lande, also schaut man neugierig nach links und rechts.

Letzten März, also vor genau einem Jahr, startete das Start-up in Winterthur. Grund war der journalistische Rückzug des Medienhauses Tamedia aus der Eulachstadt. Sprich: Einstellung des Online-Auftritts des „Landboten“ und die grossmehrheitliche Übernahme der zentral produzierten Seiten aus Zürich. Schnell also wurden Unterstützer gesucht und gefunden. Ein Onlineportal für die 120’000 Einwohner; warum eigentlich nicht?

Eine fast unglaubliche Summe von 153’000 Franken wurde als Startkapital gesammelt. Die jungen Journalisten schwammen im Geld: Hinzu kamen 85’000 Franken von verschiedenen Stiftungen, 40’000 Franken Werbeerlöse allein im ersten Betriebsjahr und natürlich die freiwilligen Abos.

Fünf Redaktorinnen und Redaktoren teilen sich die Arbeit. Von Montag bis Freitag erscheint immer ein Text auf wnti.ch. Die Artikel sind harmlos, eher deskriptiver, also beschreibender Natur. Alte Häuser, Flohmärkte, Brunnen werden vorgestellt. Frech sind sie nicht, die „Wnti“-Journalisten. Darum fallen die Texte langweilig aus. Zu den grössten Werbekunden zählen die Parteien. Das erklärt die zurückhaltende Art der Redaktion.


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Der steinige Ist-Zustand

Dieser Text soll nicht höhnisch sein, richtig. Er beklagt eher den Ist-Zustand des Journalismus. Wenn sogar junge Menschen nichts mehr wagen, ja, was dann? 

170’000 Franken zahlen sich die fünf jungen Leute aus. Für fünf Texte pro Woche. Wenn man zusätzlich die Ferien berücksichtigt, dann kostet ein „Wnti“-Text etwa 800 Franken. Das ist viel Geld für langweilige Buchstabenanreihungen. 

Diesen Monat bibbern die jungen Leute etwas. Werden ihre Abonnenten die Abos verlängern? Die meisten (80 Prozent) haben nämlich vor einem Jahr ihr Abo bezahlt. Die Magie eines neuen Lokaljournalismus‘ in Winterthur lag damals in der Luft. 

Warum ich das Projekt trotzdem bewundere? Weil heutzutage Marketing viel wichtiger ist als der Journalismus. Wenn „Wnti“, „Tsri“, „Bajour“ und die anderen Crowdfunding-Unternehmen immer wieder so viel Geld an Land ziehen, obwohl sie so wenig wagen, dann haben sie am Ende des Tages etwas richtig gemacht. 

Aber Vorbilder für investigativ denkende, junge Journalistinnen und Journalisten sind sie definitiv nicht.

Autor dieser Medienkritik ist Beni Frenkel. Der 49-Jährige ist Journalist, der schon bei fast allen namhaften Medienhäusern der Schweiz gearbeitet hat. Das prädestiniert ihn ohne Zweifel für diesen Text. Zuletzt war Frenkel bei der „Zuger Woche“ tätig. Regelmässig schreibt er auch für das Finanzportal Inside Paradeplatz. Er ist in Dättwil AG aufgewachsen, wohnte lange in Zürich und ist seit zwei Jahren in Schaffhausen daheim. Frenkel hat die Matur und an der Universität Zürich mehrere Semester Mathematik studiert.

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